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Domainregistrierung

Domains

Lücken in der Registrierungstrategie

Der Bindestrich ist ein Stolperstein bei der Domainregistrierung. Ein prominentes Beispiel stammt aus dem Jahr 2013, als der Guerilla-Wahlkampf mit der Domain angelamerkel.de begann. Anstatt unter der Domain über die Kanzlerin zu informieren, fanden die Leser die offiziellen Wahlkampfplakate der SPD. Eine Whois-Recherche ergab, dass die Domain ohne Bindestrich auf einen Herrn aus dem ukrainischen Odessa registriert war, während die Domain mit Bindestrich der Kanzlerin gehörte.

Wenn Deutsche eine Domain registrieren, verwenden sie in einer zusammengesetzten Domain einen Bindestrich. Durch die klare Trennung der Worte sind Domains besser und schneller lesbar und damit auch merkbarer. Das Pendant ohne Bindestrich wird vernachlässigt. Dabei ist es nicht abwegig, auf Bindestriche zu verzichten. Was in Deutschland die Ausnahme ist, ist in den USA die Regel: Eine Domain wird in den Vereinigten Staaten ohne Bindestrich registriert. In der US-Domain-Branche wird der Bindestrich deshalb plakativ als Dash-of-Death bezeichnet. Aber auch in Deutschland gibt es Domaininhaber, die strichlose Domains vorziehen: Die hessische CDU leitet cdu-hessen.de auf cduhessen.de weiter.

Eine wichtige Regel bei der Domainregistrierung lautet: Registrieren Sie eine Domain, die Bindestriche enthält, auch ohne Bindestriche. Das gilt für Personen und wichtige Unternehmensdomains.

Beantworten Sie drei Fragen, um festzustellen, ob Sie beide Domainvarianten benötigen:

1. Ist es unproblematisch, wenn ein Wettbewerber oder ein unvorteilhafter Namensvetter die Domain ohne Bindestriche verwendet?

2. Ist der höhere Kommunikationsaufwand und das Risiko einer Verwirrung des Users zu vernachlässigen? Z. B. um am Telefon oder in einer Unterhaltung die richtige Domain zu beschreiben.

3. Ist es das Risiko wert, wenn es für den Preis einer Domainregistrierung abgewendet werden kann?

Meist stehen der Aufwand und die Kosten einer unterlassenen Registrierung in keiner Relation zu den Registrierungskosten. Die Empfehlung an Unternehmen, die sich an deutsche Kunden wenden, ist daher:

Eine zusammengesetzte .de oder .com Domain sollte Bindestriche enthalten um besser lesbar zu sein. Die Domain sollte zusätzlich ohne Bindestriche registriert werden und auf die Domain mit Bindestrich weiterleiten. Wenn eine Domain sich primär an US-amerikanische Nutzer richtet, ist die Domain ohne Bindestrich vorzuziehen und die Domain mit Bindestrich sollte auf diese weiterleiten.

 

Verwenden Sie für Weiterleitungen ein »301-Redirect«. So richten Sie eine Weiterleitung ein.Was für Bindestriche gilt, gilt auch für Umlaute: Es ist besser, beide Domains zu registrieren und die Domain ohne Umlaute zu verwenden. Eine Domain ohne Umlaute verursacht zusätzlich weniger E-Mail Probleme. Die Domain mit Umlauten sollte auf die Domain ohne Umlaute weiterleiten.

Prominente Verwechselungen zu Bindestrichen und Umlauten

rtl-info.de: Falschmeldung über Atomexplosion

Eine belgische Nachrichtenseite meldete im Design des belgischen Senders RTL Info, im Atomkraftwerk Tihange habe es eine »atomare Explosion« gegeben. Die Falschmeldung wurde unter der Domain rtl-info.be veröffentlicht. Die echte Domain von RTL ist rtlinfo.be, also ohne Bindestrich. Eine Reihe von Menschen glaubte die Falschmeldung und rief die Notrufnummer 112 an. RTL sah sich zu einer Klarstellung gezwungen.

Wahlkampfslogan: Söder macht’s

Die SPD schnappte dem Spitzenkandidaten der CSU den Wahlkampfslogan »Söder macht’s« weg und registrierte gleich vier Domains: 1. soeder-machts.de, 2. soedermachts.de, 3. söder-machts.de und 4. södermachts.de und leitet alles auf die Domain soeder-machts.de weiter. Die SPD registrierte alle sinnvollen Varianten, also mit/ohne Bindestrich und mit/ohne Umlaut.

Die Reaktion der CSU – auf den Hashtag #derechtesoedermachts und die Domain derechtesoedermachts.de auszuweichen – verlief ernüchternd. Obwohl alle vier wichtigen Domains (derechtesoedermachts.de, der-echte-soeder-machts.de, derechtesödermachts.de, der-echte-söder-machts.de) registriert wurden, unterschätze die CSU die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns Muster zu suchen und zu Informationen zu ergänzen. So lasen vermutlich viele User nicht »der echte Söder macht’s« sondern »der rechte Söder macht’s«. Hier finden Sie die ganze Geschichte: Wie die CSU verzweifelt versucht, den PR-Streich der SPD auszubügeln.

stefan-kerth.de

Die Ostsee-Zeitung berichtete über den Wahlkampf in Vorpommern-Rügen. Danach registrierte ein Mitglied der CDU Vorpommern-Rügen zwei Domains, die dem Namen des SPD-Kandidaten Stefan Kerth entsprachen: stefan-kerth.de mit und ohne Bindestrich. Der Registrant machte die Rückgabe der Domains an die SPD von einer Spende an die Stralsunder Kitas abhängig.

Kopftücher unter hc-strache.at

Heinz-Christian Strache ist der österreichische Bundesminister für öffentlichen Dienst und Sport und Parteivorsitzender der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und fordert ein Kopftuchverbot für öffentliche Bildungseinrichtungen. Unter der Domain hc-strache.at wurde daraufhin ein Webshop für Kopftücher angekündigt. Die Erlöse sollten Flüchtlingen zu Gute kommen. Der Streit eskalierte mit einem Antrag auf eine einstweilige Verfügung und Unterlassung durch Herrn Strache. Die Domainvariante ohne Bindestrich leitet auf die URL der FPÖ.

afd-ostfriesland.de: Refugees welcome * Bring your families

Der Herausgeber einer philosophischen Zeitung registrierte die Domain www.afd-ostfriesland.de und platzierte einen AfD-inkompatiblen Text prominent auf der Website: „Refugees welcome * Bring your families“. Die Domain wurde inzwischen auf die AfD übertragen. Die Domain ohne Bindestrich (www.afdostfriesland.de) ist frei.

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