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Wahlkampf

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Domains der Bundesparteien und Landesverbände

Der zweite Teil des Blogbeitrags zur Bundestagswahl 2017 analysiert die Partei-Domains auf Bundes- und Landesebene und beantwortet, welche Domains die Parteien und Landesverbände registriert haben, welche Registrierungstrends es für die neuen Domain-Endungen gibt und welche Domains die Parteien übersehen haben. (Erster Teil: Elegant bis untauglich: Domainkompetenz im Wahlkampf).

Die Domains der Bundesparteien

Bei den typischen 3-Zeichen-Domains (cdu.de, spd.de oder fdp.de) gibt es wenig Verwirrung und Missbrauch. Zu den Domain-Endungen ist bemerkenswert, dass die freien Wähler als einzige Partei eine .eu-Domain als Hauptdomain (freiewaehler.eu) gewählt haben.

Die Linke hat es versäumt, die Domain dielinke.de, also ohne Bindestrich zu registrieren. Unter der Domain ist eine Parkingseite mit Werbung zu sehen. Die Piraten haben die Domain piraten-partei.de nicht registriert.

Bei Domains, die viel Traffic haben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Vertipperdomains registriert werden. Parteien-Domains bilden keine Ausnahme. Für die wichtigste Vertipperkategorie, bei der der Punkt zwischen dem www und der Domain weggelassen wird (wwwmeinedomain.de), hat keine der Parteien Vorkehrungen getroffen. Die www-Vertipper der Parteien CDU (wwwcdu.de), CSU (wwwcsu.de), SPD (wwwspd.de), FDP (wwwfdp.de) und der Linken (wwwdie-linke.de) sind bereits durch Dritte registriert. Nicht registriert sind die www-Vertipper der Grünen, der Piratenpartei, NPD, AFD und der freien Wähler.

Die registrierten Vertipper-Domains haben unterschiedliche Inhalte. Bei FDP, CSU und der Linken wird man über einen Affiliate-Link zu Amazon geschickt. Dies ist das übliche Vertipper-Geschäftsmodell, bei dem Traffic monetarisiert wird. Die Vertipperdomain der SPD zeigt eine Platzhalterseite und steht zum Verkauf und die Vertipper-Domain der CDU zeigt eine Parking-Seite mit Werbung.

Umlaut-Domains

Umlaut-Domains sind registrierbar, allerdings nicht als Hauptdomain einsetzbar, da viele E-Mail-Programme nicht mit den Umlauten umgehen können. Aus info@grüne.de wird info@xn--grne-1ra.de. Umlaut-Domains sollten daher nur als Weiterleitung auf die Hauptdomain eingesetzt werden.

Zwei Parteien haben Umlaute im Parteinamen: Die Grünen und die freien Wähler. Die Grünen haben die Domain grüne.de mit einer Weiterleitung auf gruene.de registriert.

Bei den freien Wählern herrscht ein Durcheinander, da es durch die ungewöhnliche .eu-Endung und eine Trennung mit Bindestrich, gleich vier relevante Domains gibt: Die Domain freie-wähler.eu zeigt verwaiste Inhalte an, während die Domain freiewähler.eu die Inhalte der stellvertretenden Landesvorsitzenden der FREIEN WÄHLER Bayern zeigt. Die .de-Domains zeigt ein vergleichbares Bild. Während unter der Domain freiewähler.de keine Inhalte zu finden sind, leitet die Domain freie-wähler.de auf die Seite der Partei weiter (freiewaehler.eu).

Landtagswahlen: So werden die Bundesland-Endungen genutzt

Seit Anfang 2014 steht den deutschen Parteien eine zusätzliche Klasse von neuen Domain-Endungen zur Verfügung: Städte- und Bundesland-Endungen. Diese können von jedermann registriert werden und haben keine Registrierungsvoraussetzungen. Städte- und Bundesland-Endungen werden schon jetzt im Wahlkampf verwendet.

Zur .saarland-Landtagswahl am 26. März 2017 nutzten die Parteien die neue Option unterschiedlich. Während die Linke nicht einmal das Äquivalent Ihrer .de-Hauptdomain unter .saarland registrierte, tritt der Landesverband der Piratenpartei unter der Domain piraten.saarland auf – abweichend von der Domain auf Bundesebene: piratenpartei.de. Zusätzlich hat die Partei piratenpartei.saarland registriert und leitet Besucher auf piraten.saarland. Zwischen diesen Polen ordnen sich die Angebote der Landesverbände der CDU und SPD ein, die eine Weiterleitung von ihrer .saarland-Domain auf die offizielle .de-Domain eingerichtet haben (cdu-saar.de, spd-saar.de).

Wir haben untersucht, wie sich die Parteien unter den übrigen neuen Domain-Endungen präsentieren. Folgende Parteien haben wir überprüft:

CDU, CSU, SPD, Die Linke, Die Grünen, FDP, Piratenpartei, AfD, Freie Wähler und NPD

Diese Domain-Endungen haben wir einbezogen:

.bayern, .berlin, .cologne, .hamburg, .koeln, .nrw, .ruhr und .saarland

Frei oder belegt

Von 80 getesteten Domains sind 37 nicht registriert. Die Endungen .ruhr und .cologne sind für Registrierungen weniger beliebt. Beide leiden unter der Konkurrenz: .ruhr vs .nrw und .cologne vs .koeln.

Nicht alle Kombination sind sinnvoll. So ist durch die CSU auch nur die Domain csu.bayern registriert. Die defensive Registrierung der Domain cdu.bayern durch die CDU/CSU lässt sich jedoch vertreten.

Akzeptanz der Bundesland-/Städte-Endungen

Die beste Akzeptanz durch Parteien haben die Endungen .nrw, .berlin, .saarland und .bayern in der angegebenen Reihenfolge. Die Schlusslichter sind .koeln, .hamburg und .ruhr. Zwar schneidet .cologne bei der Akzeptanz noch schlechter ab, allerdings sind Parteien unter der deutschsprachigen Endung .koeln präsent.

Auffällig ist die Registrierungspraxis in Hamburg. Die Domains cdu.hamburg und spd.hamburg gehören dem Inhaber einer Hamburger Werbeagentur. Dabei zeigt die Domain cdu.hamburg auf die Seite Hamburger SPD, wären die Domain spd.hamburg auf eine Projektseite der Agentur anzeigt. Nur die Grünen haben unter .hamburg ihre Domain registriert und leiten diese auf die Subdomain hamburg.gruene.de weiter.

Die SEO-Perspektive

Aus der SEO-Perspektive kann es sinnvoll sein, die Inhalte aller Landes- und Bundesverbände unter einer .de-Parteidomain zu bündeln. Unter dieser Domain können dann die Landesverbände/Bundesländer in Ordnern oder Subdomains hinterlegt werden (cdu.de/nrw, nrw.cdu.de) Ist die Parteiseite gut aufgestellt, profitieren alle Unterseiten. Backlinks kommen einer Domain zugute und werden nicht über mehrere Domains verteilt. Die Grünen folgen dieser Logik für Hamburg, indem sie die Domain gruene.hamburg auf die Domain hamburg.gruene.de verlinken. Die Landesverbände in Berlin (gruene.berlin) und NRW (gruene.nrw) folgen dieser Strategie jedoch nicht. Administrative oder strategische Überlegungen der Landesverbände können gegen diese Domainstrategie sprechen.

CDU- und SPD-Landesverbände

Die CDU-Landesverbände folgen einer einheitlichen Namensgebung, mit einer unterschiedlichen Detailumsetzung:

cdu-bundesland.de

Eine einheitliche Strategie für Bindestriche, Weiterleitungen und Abkürzungen gibt es bei den CDU-Landesverbänden nicht. Einige Landesverbände wie die CDU Hessen lassen den Bindestrich weg (cduhessen.de), die meisten Verbände verwenden den Bindestrich. Andere kürzen das Bundesland ab: Schleswig-Holstein verwendet die Domain cdu-sh.de. Die ausgeschriebene Variante cdu-schleswig-holstein.de leitet auf die Domain cdu-sh.de weiter. Bei der Weiterleitung sieht es ähnlich aus. Mal leitet die Domain mit Bindestrich auf die Domain ohne Bindestrich, mal die Domain ohne Bindestrich auf die Domain mit Bindestrich. Und manchmal gibt es gar keine Weiterleitung.

Die längste Domain hat der CDU Landesverband Sachsen-Anhalt mit cdu-landesverband-sachsen-anhalt.de. Der Landesverband ist zusätzlich mit der Domain cdulsa.de vertreten. Die Inhalte der beiden Domain sind jedoch unterschiedlich.

Der CDU Landesverband in Berlin nutzt als einziger die neue Top-Level-Domain cdu.berlin, ohne auf eine .de-Domain weiterzuleiten.

Die SPD gibt ein vergleichbares Bild. Auch sie verwendet die Struktur spd-bundesland.de Auch hier ist der Berliner Landesverband unter einer neuen Endung erreichbar (spd.berlin). Allerdings stellen NRW und Bayern Ihr Bundesland vor SPD – daraus ergeben sich die Domains bayernspd.de, nrwspd.de.

Im ersten Teil unser Domain-Analyse stellen wir die besten Geschichten zu Wahlkampfdomains vor. Diese zeigen anschaulich, was Kandidaten von Ihrer politischen Konkurrenz erwarten können. Danach untersuchen wir, welche Domains deutsche Spitzenkandidaten registriert haben, welche Domains vergessen wurden und welche Domains von Dritten bereits auf Kosten der Spitzenkandidaten genutzt werden.

Bitte beachten Sie die sieben goldenen Domain-Regeln bei der Registrierung von Domains. Diese finden auch bei Parteien und Politikern Anwendung.

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