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Domain-Fehler

Domains

Die AfD und der Dash of Death

Als Domain-Enthusiasten sind wir immer auf der Suche nach anschaulichen Geschichten, in denen die Fehler offenkundig werden, die bei einer Domain-Registrierung unterlaufen können. Diesmal hat es die AfD erwischt, genauer, den Weckruf 2015, einen Verein, den Parteigründer Bernd Lucke mit seinen Mitstreitern kürzlich ins Leben gerufen hat. Der Verein interessiert uns hier nicht, wir werfen lediglich einen Blick auf die Internetadresse: www.weckruf2015.de.

Auf den ersten Blick handelt es sich um eine normale .de-Domain, deren Name mit der unter dieser Adresse zu findenden Körperschaft identisch ist. Die Domain ist recht kurz, einprägsam und macht sich gut auf Plakaten und Visitenkarten. Als Top-Level-Domain wurde mit .de der Gold-Standard für deutschsprachige Angebote ausgewählt. Eine .com-Adresse wäre hier sicher fehl am Platz, genauso die bei Startups so beliebten ccTLDs .co, .me oder .io. Unter den Classic-Domains wären noch .org oder .net denkbar, während unter den bereits verfügbaren neuen Domain-Endungen keine geeigneten Namen für Initiativen zu finden sind, die eher gediegen und konservativ daherkommen. Innovative Domains wie .rocks, .wtf oder .jetzt besitzen zwar ein großes Potenzial, Aufmerksamkeit zu erzeugen, und sind daher für politische Aktionen bestens geeignet – zum Beispiel www.gleichstellung.jetzt –, bei der konservativen Klientel der AfD dürften sie jedoch eher für Irritationen sorgen.

Haben Bernd Lucke und seine Freunde also alles richtig gemacht? – Nein, ein entscheidendes Detail wurde übersehen: den Dash of Death. Der Begriff wurde in der amerikanischen Domain-Szene geprägt. Dort handelt es sich um das Phänomen, dass die ursprüngliche Leerstelle bei Namen, die aus zwei oder mehr Bestandteilen bestehen, durch einen Bindestrich (engl. dash oder hyphen) ersetzt wird, zum Beispiel www.dark-blue-labs.com. Da dies bei .com-Domains jedoch unüblich ist und von den Nutzern auch nicht erwartet wird, wird die Domain-Variante mit Bindestrich seltener eingetippt. Im Zuge dessen besteht dann die Gefahr, dass Trittbrettfahrer den fehlgeleiteten Traffic unter der Variante ohne Bindestrich abgreifen, in unserem Beispiel also www.darkbluelabs.com. (Hierbei handelt es sich natürlich um keinen Typosquatter, sondern die Original-Domain einer von Google akquirierten Firma für künstliche Intelligenz.)

In Deutschland wird der Dash of Death unter umgekehrten Vorzeichen interpretiert, weil unter .de die Bindestrich-Schreibweise verbreiteter ist. Deswegen finden Sie unsere deutsche Website unter www.united-domains.de, die Seite unserer amerikanischen Tochterfirma unter www.uniteddomains.com. Die Domain www.weckruf2015.de kann man also auch als www.weckruf-2015.de schreiben, und nicht wenige Internet-Nutzer würden die zweite Schreibweise unwillkürlich in die Adresszeile des Browsers eintippen, müssten sie dies aus dem Gedächtnis tun. In diesem Fall kann man sich streiten, welche Variante besser ist, entscheidend ist nur, dass keine der beiden a priori ausgeschlossen wäre. Der Dash of Death markiert hier also den Möglichkeitsspielraum und mithin die Verwechslungsgefahr von Domainnamen, wo es doch wichtig ist, die Nutzer auf eine eindeutige Adresse zu verweisen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Domain mit Bindestrich (www.weckruf-2015.de) wurde vom Weckruf 2015 nicht gesichert, ein Versäumnis, das sich der innerparteiliche Gegner sogleich zunutze gemacht hat. Er hat die Domain www.weckruf-2015.de registriert und unter der Adresse einen wuchtigen Gegenaufruf lanciert: „Nein zum Weckruf 2015“. Was auch immer der Grund für die Initiatoren des „Weckrufs“ gewesen sein mochte, die alternative Schreibweise nicht zu sichern, es entsteht jetzt Verwirrung, die den einen oder anderen Interessenten ratlos zurücklassen könnte, anstatt ihn für die Inhalte der Initiative zu begeistern.

Kosten einer weiteren .de-Registrierung: 5 € im ersten Jahr. Der Schaden, wenn überhaupt bezifferbar, dürfte weitaus größer sein.

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