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Neue Domain-Endungen

Kommunikation & Design

Die neuen Top-Level-Domains und SEO

Drum prüfe, wer sich ewig bindet … Das gilt auch für Domains. Ein mühevoll aufgebautes Projekt auf eine bessere Domain umzuziehen, kostet Zeit und Geld – vor allem, weil die neue Internetadresse auch bekannt gemacht werden will, im schlimmsten Fall also Briefbögen und Visitenkarten neu gedruckt werden müssen. Domains sind Investitionen in die Zukunft, die eine geeignete Analyse verlangen.

Wie aber den Wert einer Domain bestimmen? Weil heute vor allem die Suchmaschinen unseren Zugang zu den Informationen regulieren, ist ein wichtiger Indikator eben die Suchmaschineneignung einer Adresse: Wie bewährt sich meine Domain bei Google im Vergleich zur Konkurrenz? Die Einführung von bisher fast 500 neuen Domain-Endungen – gemessen an den Delegierungen, und viele hundert werden in den nächsten Jahren noch folgen – stellt diese Frage neu: Erhöhen prägnante Adresskürzel wie .club, .tips oder .berlin tatsächlich die Sichtbarkeit der dahinter stehenden Angebote? Schlägt sich eine Domain unter einer neuen Top-Level-Domain besser als dasselbe Angebot unter einer Classic-Domain wie .de oder .com? – Wagen wir jetzt, nachdem wir fast ein Jahr mit den neuen Endungen „in freier Wildbahn“ Erfahrungen gesammelt haben, eine erste Analyse.

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Für eilige Leser vorab eine Zusammenstellung der wichtigsten Ergebnisse:

  1. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass allein die Nutzung einer neuen Domain-Endung als negativer Ranking-Faktor gewertet wird.
  2. Die neuen Domain-Endungen können im Gegenteil einen positiven Einfluss auf die Sichtbarkeit haben, wenn sie einem gesuchten Keyword entsprechen.
  3. In der lokalen Suche können die neuen geographischen Top-Level-Domains wie .berlin höher ranken als Classic-Domains wie .de oder .com.
  4. Bei den Nutzersignalen gibt es kein einheitliches Bild: Bekannte geographische Domain-Endungen sind hier im Vorteil, andere neue Domains müssen noch geläufiger werden.

Googles Ideal und die Keyword-Domains

Das Ideal von Google besteht darin, den Nutzer der Suchmaschine auf qualitativ hochwertige Inhalte zu führen, die für ihn wirklich nützlich sind. Diese sollten zudem technisch einwandfrei umgesetzt werden und ein relevantes Echo von anderen hochwertigen Seiten erhalten. Die zahlreichen Ranking-Faktoren können jedoch nicht einfach addiert, sondern lediglich im Rahmen eines holistischen Systems beurteilt werden. Google beobachtet die SEOs und die SEOs beobachten Google. Weil beide wechselseitig aufeinander reagieren, kann es niemals die perfekte Suchmaschinen-Formel geben.

Aber uns interessiert ja die Domain: Welche Rolle spielt sie überhaupt noch für Google? Werfen wir einen Blick auf die sogenannten Keyword-Domains (oder EMDs = Exact Keyword Domains): Dabei handelt es sich um Internetadressen, die den Suchanfragen der Nutzer entsprechen, zum Beispiel www.provider-vergleich.de oder www.fleckenentfernung.info. Im Jahr 2012 hat Google seinen Suchalgorithmus so verändert, dass Keyword-Domains mit minderwertigen Inhalten nicht mehr in den Himmel wachsen können, im Gegenteil.

Aktuelle Analysen von „Can I Rank“, einem kalifornischen SEO-Tool-Anbieter, zeigen aber, dass Keyword-Domains nach wie vor um 11 Prozent besser abschneiden. Das liegt daran, dass bei diesen der semantische Kontext der Seiten meist auch besonders gut zum jeweils gesuchten Keyword passt. Folglich verweisen Keyword-Domains dann doch häufig auf relevante und für den Suchenden nützliche Inhalte. Sie landen dementsprechend weit oben im Index. Außerdem sind Backlinks auf Keyword-Domains häufiger mit dem Suchbegriff als Linktext versehen. Mit anderen Worten: Unter der Voraussetzung passender Inhalte lohnt es sich weiterhin, in Keyword-Domains zu investieren.

Was Keyword-Domains mit den neuen Top-Level-Domains zu tun haben

Viele neue Domain-Endungen sind im Grunde nichts anderes als Keyword-Domains: Die Endung .versicherung tritt mit dem Versprechen an, bei Suchanfragen nach „versicherung“ von Google höher bewertet zu werden als andere Endungen. Darauf weist die Tatsache hin, dass Google in den Suchergebnissen auch die TLD fettet, wenn sie dem Suchbegriff entspricht, z. B. bei www.kfz.versicherung, wo die antizipierte Suchanfrage „kfz versicherung“ auch in die TLD ausgreift.

Die ersten drei Suchergebnisse für die Suchanfrage nach „versicherung domain“.

Die ersten drei Suchergebnisse für die Suchanfrage nach „versicherung domain“.

Dies lässt vermuten, dass Keyword-optimierte Domain-Namen mit einer neuen Endung grundsätzlich denselben Ranking-Vorteil genießen wie derzeit die „klassischen“ Keyword-Domains. Auch hier gilt aber das Prinzip der wechselseitigen Beobachtung: Solange das Gesamtpaket stimmt, und das heißt im Zweifel immer, dass nützliche Informationen passgenau bereitgestellt werden müssen, bleibt Google freundlich.

.berlin in der lokalen Suche erfolgreich

Für die neue geographische Top-Level-Domain (geoTLD) .berlin hat Searchmetrics kürzlich eine Ranking-Analyse durchgeführt. Das Ergebnis: In der lokalen Suche rankt .berlin durchschnittlich mehr als eine Position höher. Wie Searchmetrics selbst zu bedenken gibt, spielen hier wohl User-Signale eine Rolle: Klicken Nutzer, die ein lokales Angebot suchen, eher auf Ergebnisse mit einer geoTLD wie .berlin?

Wer klickt auf Domains mit einer neuen Endung?

Zum Thema Nutzersignale präsentierte Globe Runner ein zwiespältiges Ergebnis: Zwar erzielt die Domain www.3carat.diamonds höhere Impression-Zahlen als 3caratdiamonds.com, die Konvertierungsrate bei der etablierten .com-Domain ist jedoch höher. Gemäß der Redensart „Was der Bauer nicht kennt …“ scheinen die Nutzer also die klassischen Domains noch zu bevorzugen. Es stellt sich die Frage, wie stark Google in Zukunft diese dämpfenden Signale bei einigen exotischen Endungen bewerten wird. Damit im Zuge noch mäßiger Konvertierungsraten kein Teufelskreis entsteht, diese also im nächsten Schritt zu schlechteren Rankings verrechnet werden, muss die Bekanntheit und Reputation der neuen Endungen noch gesteigert werden. SEO ist immer auch Kommunikation.

Fazit

Wer ein Projekt unter einer neuen Endung aufbauen möchte, kann bereits auf einige positive SEO-Signale setzen. Die Nutzer sind noch zurückhaltend, für qualitativ hochwertige oder gar einzigartige Inhalte dürfte dies aber kein Problem darstellen. Auch in der lokalen Suche schneiden die neuen Endungen gut ab. Sie stehen nun im Wettbewerb, mit den Classic-Domains, aber auch untereinander, und „wachsen“ mit ihrer Nutzung: Jedes erfolgreiche Projekt unter einer neuen Top-Level-Domain trägt zum Gedeihen dieser Endung bei. Nur wer wagt, gewinnt.

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