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Neue Domain-Endungen

Panorama

New gTLDs: Das digitale Bogenschießen hat begonnen

Noch vor dem „Reveal Day“ am kommenden Mittwoch hat die Internetverwaltung ICANN am heutigen Freitag die nächste Phase bei der Einführung neuer Domain-Endungen eingeläutet. Um 0.01 Uhr UTC (2.01 Uhr MESZ) begann das „Batching“ – ein dreiwöchiger Prozess, durch den die Reihenfolge bestimmt werden soll, nach der die ICANN die über 2.000 eingegangenen New-gTLD-Bewerbungen abarbeiten wird.

Da die ICANN jede Bewerbung für die neuen Domain-Endungen einzeln prüfen muss, wird diese Evaluierungsphase in mehrere Abschnitte bzw. Stapel („batches“) unterteilt. In jedem dieser Abschnitte, der jeweils fünf Monate dauern wird, sollen 500 Bewerbungen bearbeitet werden. Bei über 2.000 Bewerbungen ist somit klar: Bis sämtliche Anträge evaluiert sind, werden voraussichtlich rund zwei Jahre vergangen sein.

Umso wichtiger ist es für viele New-gTLD-Initiativen, beim ersten Stapel dabei zu sein, der im Laufe dieses Jahres evaluiert wird. Im Klartext bedeutet dies: Nur jene Domain-Endungen, die im ersten Evaluierungsabschnitt bearbeitet werden, können auch im ersten Quartal 2013 eingeführt werden. Alle anderen neuen TLDs müssen sich länger gedulden.

Doch wie läuft das Stapeln, bei dem alle Bewerber die gleichen Chancen haben sollen, genau ab? Ein einfaches Losverfahren kam nicht in Frage, das wäre mit den kalifornischen Glücksspielgesetzen nicht vereinbar gewesen – und an diese Gesetze muss sich die privatrechtliche Non-Profit-Organisation ICANN halten, da sie ihren Sitz im kalifornischen Marina del Rey hat.

ICANN erfindet Browsergame

Deshalb haben sich die Leiter der ICANN für ein Onlinespiel entschieden, bei dem es Gewinner und Verlierer geben wird: das digitale Bogenschießen. Praktisch sieht es so aus, dass sich jeder Bewerber zunächst im TAS (Top-Level-Domain-Application-System) anmelden und ein Datum in der Zukunft angeben muss – zum Beispiel den 10. Juni 2012 um 12.00 Uhr – an dem er am digitalen Bogenschießen beitreten möchte. Zum ausgesuchten Zeitpunkt meldet sich der Bewerber wieder im TAS an und versucht, durch das Anklicken einer „Submit“-Schaltfläche exakt den Zeitpunkt zu erwischen, den er zuvor ausgewählt hat.

Anschließend werden die beiden Zeiten, also das gewünschte Datum und das geklickte Datum, miteinander verglichen. Die sich daraus ergebende Zeitdifferenz wird dann als zusätzlicher Zeitstempel („secondary timestamp“) vermerkt. Klickt der Bewerber also in unserem Beispiel um 12.00 Uhr und 1 Sekunde, wird er mit der Differenz 00:00:01 vermerkt. Die Bewerber werden dann in der Reihenfolge des zeitnächsten Ergebnisses in die unterschiedlichen Stapel eingeteilt und deren Bewerbungen entsprechend abgearbeitet.

Um weltweit für Chancengleichheit zu sorgen, teilt die ICANN die Welt in fünf Regionen ein: Europa, Asien/Australien/Pazifik, Südamerika/Karibik, Afrika und Nordamerika. Nach dem Ende des digitalen Bogenschießens am 28. Juni werden die jeweils treffsichersten Bewerber aus jeder Weltregion ausgewählt, dann die zweitbesten und so weiter.

Außerdem werden alle Bewerbungen für die selbe Domain-Endung auch im selben Stapel aufgenommen. Sollten sich also mehrere Organisationen um die selbe TLD bewerben, zählt der Zeitstempel des treffsichersten Bewerbers.

Bei voraussichtlich sehr begehrten Domain-Endungen wie .web, .shop oder .app, bei denen es zudem vollkommen offen ist, welcher Bewerber im Zuge der Evaluierung den Zuschlag erhält, könnten sich einzelne Bewerber beim Bogenschießen auch zurückhalten – in der Hoffnung, dass ein Konkurrent für einen möglichst guten Platz im Stapel sorgt.

Dienstleister bieten automatisiertes Bogenschießen an

Wem das manuelle Bogenschießen hingegen zu riskant ist, kann sich an Dienstleister wie beispielsweise Pool.com wenden. Gegen eine Gebühr von 25.000 US-Dollar (umgerechnet rund 19.900 Euro) verspricht Pool.com, das ein spezielles Klick-Skript entwickelt hat, einen Spitzenplatz im Bewerberfeld.

Das digitale Bogenschießen komplett zu ignorieren, ist für New-gTLD-Bewerber übrigens keine Option. Wem es egal ist, in welchem der fünf Stapel er mit seiner Bewerbung landet, muss sich trotzdem im TAS anmelden und seinen Ausstieg („opting out“) signalisieren.

Die Ergebnisse des Bogenschießens werden am 11. Juli veröffentlicht. Dieser Tag wird somit zu einem zweiten „Reveal Day“, da dann bekannt wird, welche New-gTLD-Bewerbungen es in den begehrten ersten Stapel geschafft haben und somit ab Anfang 2013 konkret eingeführt werden können.

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