ICANN rechtfertigt sich per Video-Interview

Die Internetverwaltung ICANN hat am Freitag ein Video-Interview veröffentlicht, in dem Sicherheitschef Jeff Moss Mediendirektor Brad White Rede und Antwort steht. Inhalt des Gesprächs: die Software-Panne beim Bewerbungssystem (TAS) für die neuen Domain-Endungen. Wann TAS wieder online geht, ist nach wie vor unklar.

Nachdem ICANN das Bewerbungssystem kurz vor dem Ende der dreimonatigen Bewerbungsfrist am 12. April abgeschaltet hatte, wurde das Datum für die neue Deadline mehrmals verschoben. Eigentlich hätte TAS am vergangenen Mittwoch wieder gestartet werden sollen, um allen Bewerbern bis heute Mitternacht (UTC) noch einmal die Gelegenheit zu geben, fehlende Bewerbungsunterlagen einzureichen.

Doch die Behebung der Software-Panne dauert länger als gedacht. ICANN-CSO Moss begründet dies im Interview so:

„Dies ist ein zeitraubendes Problem. Was wir versuchen, ist, es richtig zu machen, anstatt es schnell zu tun. Ich hoffe, dass dies jeder versteht.“

Immerhin glauben die für das New-gTLD-Projekt zuständigen Programmierer, den Software-Bug inzwischen gefunden und verstanden zu haben. Erst wenn ausgeschlossen werden könne, dass der Fehler erneut auftritt, werde das Bewerbungssystem wieder freigeschaltet.

In den vergangenen Tagen kamen in den Medien Vorwürfe auf, wonach ICANN zu langsam und nicht angemessen auf das Problem reagiert habe. Schließlich trat der Bug bereits am 19. März zum ersten Mal auf. Moss verteidigt das Vorgehen der ICANN damit, dass sich der im vergangenen Monat gemeldete Bug nicht habe reproduzieren lassen. Erst als im April mehrere TAS-Nutzer meldeten, dass sie Dateien anderer Bewerber sehen konnten, wurde die Fehlersuche intensiviert.

Keine Datei wurde gelöscht

Der durch den Bug entstandene Schaden halte sich jedoch in Grenzen, betont Moss. Keine Datei sei gelöscht worden. Nur eine „Minderheit“ der Nutzer habe fremde Dateien sehen können, die Anzahl der unabsichtlich freigelegten Dateien sei „bekannt“. „Wir können alles genau nachvollziehen“, sagt Moss. Nun werde jeder Bewerber darüber informiert, inwieweit er von dem Problem betroffen ist.

Wann TAS wieder online gehen werde, verrät Moss allerdings nicht. Ob der für den 30. April geplante „Reveal Day“ für die Veröffentlichung der angenommenen Bewerbungen verschoben wird, hat die ICANN bislang ebenfalls noch nicht bekannt gegeben. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Internetverwaltung angesichts der aktuellen Probleme gerade bei der Veröffentlichung der Bewerberliste besonders sorgfältig vorgehen wird – und im Zweifelsfall Gründlichkeit vor Geschwindigkeit wählt.

Oder um es mit Moss’ Worten zu sagen: es richtig zu machen, anstatt schnell.

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