Mit fremden Federn – Domain-Spam aus China

Der folgende Artikel stellt keine Rechtsberatung dar.

Einer der Grundsätze in der Welt der Domains ist, dass es jeden Domain-Namen nur exakt einmal geben kann. Registriere ich mir die Domain united-domains.de, dann kann ich sicher sein, dass kein Zweiter genau diese Domain nochmals sichern kann (sofern ich sie nicht eines Tages kündige).

Immer wieder erreichen uns Mails, in denen der Eindruck entsteht, dass genau das möglich sei. Diese Nachrichten werden von (meist chinesischen) Firmen verschickt, die sich augenscheinlich um den weltweiten Schutz von Namen im Domain-Bereich kümmern. Nun sei just bei dieser Firma ein Antrag eingegangen, mit dem ein Dritter beispielsweise den Namen united-domains unter verschiedenen Endungen sichern wolle. An sich sehr nett, dass die chinesische Firma sich die Mühe macht, genau uns anzuschreiben, die wir mit dem Namen united-domains seit zehn Jahren am Markt sind.

Weniger nett sind die folgenden Absätze der Mails, die sich meist in zwei Versionen einteilen lassen. Version eins beschreibt, dass wir dem Absender unbedingt mitteilen müssten, ob der uns unbekannte Dritte mit uns in Verbindung stehe. Die Registrierung der Domains könne nur kurze Zeit verhindert werden und der Absender würde befürchten, dass dieser Dritte Böses im Schilde führt. Version zwei geht noch einen Schritt weiter: hier ist der eigene Name bereits unter verschiedenen Endungen registriert worden und die chinesische Firma schreibt nun, man habe leider zu spät bemerkt, dass dieser Name schon existiert. Großzügigerweise sei man jedoch bereit, die Domains zu verkaufen.
Was ist von solchen Mails zu halten? Habe ich die Domain united-domains.de registriert, so bin ich für die Dauer des Vertrages der Inhaber und niemand hat die Möglichkeit, sich selbst nochmals united-domains.de zu sichern. Das bedeutet aber nicht, dass auch alle anderen Endungen wie .com, .cn oder etwa .ws ebenfalls mit belegt werden. Genau diesen Sachverhalt machen sich die Absender von Domain-Spam-Mails zunutze. Ungeachtet der Tatsache, dass hinter manchen Domain-Namen eine eingetragene Marke steht und sie deshalb besser nicht von Dritten registriert werden sollten, soll der Empfänger der Mails in Zugzwang gebracht werden. Denn was, wenn der eigene Name plötzlich in China vergeben ist? Auf einen langwierigen Rechtsstreit haben vermutlich die wenigsten Lust. Also auf das Angebot einsteigen? Dahinter steckt oftmals der Versuch, den Namensinhaber zu einer völlig überteuerten Registrierung oder Übertragung von Domains zu überreden.
Die Lösung ist dabei ganz einfach: die in den Mails genannten Domains sind meist noch frei. Sie können also bei einem beliebigen Provider registriert werden, da bei den zuständigen Vergabestellen das Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ gilt. Eine Vorreservierung, die den eigenen Namen blockiert aber noch nicht registriert, gibt es nicht.
Version zwei, in der die Domains bereits registriert wurden, ist seltener zu finden. Denn hier muss der Absender erst einmal selbst für die Registrierung zahlen. Auch hier ist fraglich, ob man reagieren sollte. Bei einer eingetragenen Marke, die vom Absender widerrechtlich als Domain gesichert wurde, bleibt natürlich der Weg zum Rechtsanwalt. In den meisten Fällen dürfte die Domain aber für einen Grabber aus China eher uninteressant sein, wenn nicht gerade ausgedehnte Handelsbeziehungen des Namensinhabers zu diesem Land bestehen. Folglich dürfte die Domain relativ schnell wieder gelöscht werden. Anschließend kann sie immer noch vom Namensinhaber registriert werden, um zukünftig Grabbern zuvor zu kommen.
Erreicht sie also eine freundlich formulierte Nachricht wie oben beschrieben, sollten Sie nicht überstürzt reagieren. Im Zweifelsfall hilft unser Support gerne weiter.

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